Barbara Stamm: Stimmenkönigin und trotzdem raus

16.10.2018 | BR-Online | München

 

Barbara Stamm (CSU) gilt als beliebteste Politikerin Bayerns. Trotzdem hat es für sie diesmal nicht gereicht. Nach über 30 Jahren im Landtag muss sie sich aus dem Parlament verabschieden.
 
Rund 170.000 Stimmen sammelte Barbara Stamm bei der Landtagswahl 2013, nur Ilse Aigner im bevölkerungsreichen Oberbayern und Ministerpräsident Markus Söder in Mittelfranken hatten mehr. Stamm ist seit Jahren Stimmenkönigin der CSU und gehört hierzulande zweifelsohne zu den bekanntesten Politikerinnen. Im BayernTrend des BR belegte die Unterfränkin auch heuer wieder Platz eins bei der Auflistung der beliebtesten Politiker im Freistaat. Trotzdem scheidet sie nun aus dem Parlament aus.
Ursache dafür sind das bayerische Wahlrecht und die Krise der CSU. Ein Direktmandat hatte Barbara Stamm noch nie. Sie trat immer nur auf der Liste an - mit einem gewissen Risiko also. Bisher hat es immer geklappt. Doch diesmal ging es schief. Da die CSU in Unterfranken alle Direktmandate gewann, zieht kein einziger Christsozialer zusätzlich über die Bezirksliste in den Landtag ein. Auch Stamm nicht, obwohl sie ein Mehrfaches der Gesamtstimmen jedes der neuen Abgeordneten gewonnen hat.
Seit 1976 im Landtag
Mehr als 30 Jahre lang saß Stamm im Landtag. 1976 zog sie als Nachrückerin das erste Mal ins Parlament ein. Der Ministerpräsident damals hieß Alfons Goppel. Markus Söder ist der siebte Amtsinhaber, den sie im Parlament erlebt hat. Eine Zeit lang saß sie selber auf der Regierungsbank.
Von 1993 bis 2001 war sie Gesundheits- und Sozialministerin unter Edmund Stoiber. Wegen der BSE-Krise musste sie schließlich ihr Ministeramt niederlegen. Regierungschef Stoiber hatte vollmundig einen BSE-freien Freistaat verkündet – und brauchte nun nach den ersten bayerischen Fällen einen Sündenbock, um sich selbst aus der Schusslinie zu halten.
Soziales Gewissen der CSU
Ein tiefer Fall. Als stellvertretende Parteivorsitzende der CSU machte sie aber bis 2017 weiter. 2008 wurde sie Landtagspräsidentin und folgte damit Alois Glück.
Die gelernte Erzieherin und Mutter dreier Kinder gilt als soziales Gewissen der CSU, als eine die sich auf die kleinen Leute einlässt. Sie setzt sich für arme Menschen und Menschen mit Behinderung ein und ist unter anderem ehrenamtliche Vorsitzende bei der Lebenshilfe.
"Gut vorbereitet"
Das schlechte CSU-Wahlergebnis - und damit Stamms Ausschieden aus dem Landtag - sind wohl auch auf einen Parteikurs zurückzuführen, vor dem sie intern immer gewarnt hatte. Stamm warb immer für eine große thematische Bandbreite. Die Asyldebatte dürfe nicht überhöht werden. "Es waren Meinungen da, dass wir uns stärker an der rechten Seite orientieren müssen", sagte sie am Wahlabend. "Ich habe das immer angemahnt, dass wir rechts gar nicht so viel gutmachen können, wie wir in der Mitte verlieren – und der heutige Abend zeigt das ja."
Überraschend traf sie das Ausscheiden aus dem Landtag nach dem CSU-Umfragetief der vergangenen Wochen nicht. Stamm war bewusst, dass ihre Aussichten nicht die besten sind. "Ich bin da gut vorbereitet."
BR-Online v.16.10.2018